20-Sí Señor

Bevor es in ein neues Land geht, fahren wir noch in den Nationalpark El Angel kurz vor der Grenze zu Kolumbien. Dort wollten wir als erstes in einen schönen kleinen Wald, zum „Bosque de Polylepis“, die dortigen Bäume wachsen pro Jahr nur wenige Zentimeter. Aber wir mussten feststellen dieser befindet sich in einem Privaten Teil des Parks, wo sie einen unverschämten Eintrittspreis von 20 Dollar pro Person verlangen. So lassen wir den kurzen Spaziergang sein und fahren weiter zum anderen Teil des Parks, welcher öffentlich und auch gratis ist. Nach einer ruhigen Nacht bei der Rangerstation sind wir trotz etwas Nebel auf den kleinen Rundweg zur Lagune und den tausenden „Frailejones“ Halbsträuchern. Vom Park nehmen wir die kleine Naturstrasse zur Grenzortschaft Tulcan. Dort besichtigen wir den Örtlichen Friedhof, nicht weil wir jemanden hier kennen! Nein, mehr wegen der Gartenanlage.
Dann geht es zur Grenze wo wir im Stau etwas warten müssen bis wir unser Fahrzeug abstellen können. Bei der Migration gibt es dann auch noch ein Problem, anscheinend haben wir das Visum etwas überzogen, 108 statt 90 Tage welche pro Jahr erlaubt sind! Wer sich noch an den vorletzten Bericht erinnern kann, der weiss noch, dass wir damals etwas erwähnt haben. Zu unserem erstaunen haben wir damals bei der Wiedereinreise 70 Tage bekommen. Der Grenzbeamte hat da anscheinend einen Fehler gemacht. Jetzt beharren wir natürlich auf diesen 70 Tagen welche im Pass stehen, denn eine Strafe wollen wir definitiv nicht bezahlen. Nach etwas hin und her müssen wir ein paar Kopien erstellen und ein Formular ausfüllen dann hat es sich für uns erledigt und wir dürfen ausreisen. Auf Kolumbianischer Seite erhalten wir dann wieder ohne Problem ein 90 Tage Visum. In Ipiales müssen wir als erstes Kolumbianisches Geld beziehen und für unser Fahrzeug eine Versicherung organisieren. Dann geht es noch im dunkeln zur Kirche Santuario de Las Lajas, welche in ein Flusstobel gebaut wurde und in der Nacht schön beleuchtet wird.

Von Ipiales fahren wir zum Vulkan Azufral, auf dem Weg dahin machen wir das erste Mal Bekanntschaft mit dem Militär. Diese zeigen jeweils mit dem Daumen nach oben, dass der Abschnitt sicher ist. Erst gerade hat die Regierung nach langen Verhandlungen mit der FARC (Fuerzas Armadas Revolucionarias de Colombia) einen Friedensvertrag unterzeichnet. Von daher hat sich Kolumbien beim Thema Sicherheit für Reisende in den letzten Jahren einiges deutlich verbessert. Wir hoffen der Regierung gelingt die Umsetzung des Friedensvertrages und es fällt nun kein Gebiet der FARC, den noch anderen in Kolumbien aktiven Guerilla Einheiten in die Hände. Nach der ruhigen Nacht im Fahrzeug, nehmen wir bei nebeligem Wetter den Wanderweg zum Vulkan Azufral in Angriff. Oben beim Kraterrand ist es immer noch grau, so geht es ohne zu wissen wie weit hinunter es ist  hinein in den Krater. Fast unten sehen wir dann die Lagunen und den Schwefelbereich. Wir schauen uns auf dem schwefligen Gelände um und machen einige Fotos. Auf dem Weg zurück kommt dann noch kurz die Sonne hervor und wir können auch von oben ein paar Fotos machen.
Vom Vulkan fahren wir nach Pasto und von dort direkt weiter zur kleinen Ortschaft Chachaqui. Hier im angenehmen Klima verbringen wir ein paar Tage im Hostal Kundur und planen die nächsten Stationen. Eigentlich wollten wir von hier zurück nach Pasto und zur Lagune de la Coche, um anschliessen über den kleinen Bergpass Trampolín del Diablo nach Mocoa zu fahren. Aber im Hostal wir uns davon abgeraten, da es dieses Jahr viel Regen gab, soll der Pass immer noch geschlossen sein und die Lagune Hochwasser haben. So fahren wir über eine Nebenstrasse und später kleine Feldwege nach Tejumbina und den dortigen Thermalbäder. In der Ortschaft wollten wir uns nach einem Einkaufsladen und einem Restaurant umschauen, aber kaum angehalten werden wir schon von den Einheimischen umzingelt. Da es in der Ortschaft kein Restaurant gibt, werden wir am Schluss von einer Hausfrau Namens Cielo bekocht. Während wir warten kommen immer wieder neugierige und erkundigen sich nach uns und fragen uns aus. Nach einem Kaffee und der riesigen Portion Abendessen verabschieden wir uns bei unseren Gastgebern und fahren hinunter zu den Thermen wo wir erschöpft ins Bett fallen. Am Morgen besuchen wir dann die Thermen mit dem Wasserfall im Hintergrund. Dann geht es von dem kleinen Bergdorf zurück zur Hauptstrasse wo wir zügig nach Popayan kommen. Hier bleiben wir fürs erste nur einen Nacht und werden in ein paar Wochen noch einmal vorbeischauen. Von Popayan fahren wir nun endlich nach Osten über die Berge, die Strasse wechselt von Asphalt- zu Schotter- und Baustellenstrasse und dies immer wechselnd. Am späten Nachmittag erreichen wir den Archäologischen Park Tierradentro, welchen wir am nächsten Tag besichtigen. Über die Kultur ist wenig bekannt, die Gegend ist aber mit unzähligen unterirdischen Grabanlagen durchzogen welche besichtigt werden können.

In einer Tagesfahrt geht es zügig nach Norden bis kurz vor Bogota. Wir fahren am nächsten Tag noch nicht ins Zentrum, sondern biegen vorher nach Villavicencio ab. Von den Bergen geht es ins Tiefland von Kolumbien. Die Fahrt ist aber recht mühsam, wie schon so öfters in Kolumbien. Kurvige Bergstrassen mit sehr langsamen Fahrzeugen bringen jeden Verkehrsfluss zum erliegen. Einmal haben wir Glück, dass wir keine Strafe zahlen müssen, weil wir an einer „gefährlichen“ Stelle einen kriechenden Lastwagen überholt haben. Von daher können wir nicht verstehen, dass manche Reisende über die mehrspurigen Strassen in Ecuador herziehen, da diese überdimensioniert seien. Aber da kann man wenigstens einen mit 10km/h oder weniger schleichenden Lastwagen überholen und es bildet sich keine Fahrzeugkolonne. Aber genug Luft abgelassen, wieder zurück nach Villavicencio. Hier erkundigen wir uns nach der Strasse nach La Macarena. Alle raten uns strikt ab diese zu befahren! Zu gefährlich, zu schlechter Strassenzustand, zu viele Strassenvarianten durch den Dschungel und zu Zeitraubend. Nach langem hin und her fahren wir zum Flughafen, buchen einen Flug mit einer mehrtägigen Tour nach La Macarena. Wir wissen zwar kaum etwas vom Ablauf oder was Inbegriffen ist, aber schon morgen geht es los. Mit einem 8 plätzigen Flugzeug geht es nach La Macarena, dort hören wir uns auch ein bisschen um wie die Strasse hierher ist. Hier tönt es schon etwas weniger schlimm. Und sie meinen es ist auch zu dieser Jahreszeit möglich. Aber man braucht lange bis man nur schon das letzte Stück von Villa Hermosa nach La Macarena gefahren ist. Für die gesamte Strecke von Villavicencio nach La Macarena brauchte vor kurzem ein Taxifahrer, welcher den Weg kennt ca. 18 Stunden! So sind wir der Meinung im Convoy wäre es sicher machbar auch wenn einige Stellen der Dschungelpiste welche wir auf dem Natel vom Taxifahrer sehen nicht gerade lustig sind. Aber jetzt sind wir ja schon hier, also zum eigentlichen Thema. Nach der Landung haben wir zuerst einen gemütlichen Tag und werden von einem Dreiradtöfftaxi in der nahen Umgebung herum geführt. Zum Abschluss des heutigen Tages geht es dann noch mit dem Kanu auf den Fluss Guayabero, was uns aber nicht ganz so gefällt. Kanu sind wir ja Weissgott wie oft schon gefahren, viel gibt es auch nicht zu sehen. Am nächsten Tag und nach langem warten bis der Papierkrieg für die Behörden erledigt ist, können wir endlich in den Nationalpark Natural Sierra de La Macarena, weswegen wir eigentlich hier sind. Hier im Fluss Cano Cristales oder wie er auch genannt wird Fünf-Farben-Fluss kann man ein einzigartiges Naturschauspiel beobachten. Zwischen Juli und November verwandeln Pflanzenwuchs den Flussgrund in ein Farbiges Schauspiel. In zwei Tageswanderungen laufen wir den Fluss ab und nehmen in den Fotopausen ein Bad im klaren Wasser des Flusses. Damit möglichst der Pflanzenwuchs nicht beschädigt wird, ist es hier im Park verboten Sonnencreme oder Mückenspray zu benutzen. Die Wanderwege gehen quer durch den Park und immer wieder muss der Fluss gequert werden, zum Teil kommt das Wasser dabei bis zur Brust. Neben den Wanderwegen sieht man auch immer wieder das Militär welche hier Kontrollposten hat. Nach den zwei fantastischen Tagen im Park schauen wir am Tag unseres Rückfluges noch den Fluss Cristalitos an, welcher wie schon der Name sagt, eine kleinere Version des Cano Cristales ist. Uns hat der Ausflug gefallen, auch weil wir für diese Tage einen Führer für uns alleine hatten und so unser Tempo laufen konnten, nicht wie die anderen, welche meist ein bunter Haufen von bis zu 10 Personen waren. So wurden wir von denen auch schon gefragt ob wir dies Beruflich machen!

Von Villavicencio fahren wir über eine Nebenstrasse nach Bogota direkt in die Altstadt. Hier ist es gar nicht einfach eine günstige Unterkunft zu finden und dazu mit einem Parkplatz schon gar nicht. So müssen wir unseren treuen Landy wohl oder übel auf einem bewachten Parkplatz etwas entfernt von unserer Unterkunft abstellen. Die Stadt hat einige Museen und Bars zu bieten uns gefällt neben dem Museum Botero der Strassenmarkt auf der Carrera 7 am besten. Den Stil von Botero werden wir wohl jederzeit wieder erkennen! Das berühmte Goldmuseum hat zwar einige interessante Sachen zum anschauen, aber so ganz hat es uns nicht erwärmt. Nach gut zwei Tagen fahren wir schon wieder raus aus der Stadt. Dies geht nicht mehr so einfach wie beim hereinfahren und wir müssen uns durch den Grossstadtverkehr kämpfen. Ausserhalb der Agglomeration von Bogota biegen wir zum Wasserfall „Salto Del Tequendama“ ab. Der Wasserfall mit dem ehemaligen Hotel wäre ein schönes Fotosujet, aber der graue Himmel und das stinkende Abwasser von Bogota trüben das Bild etwas.

Vor Ibaque fahren wir zu einer Natur und Ecolodge wo wir übernachten und die Gegend erkunden. Schon am nächsten Mittag geht es über Ibaque weiter zurück nach Süden und in die Wüste „Desierto de la Tatacoa“, wo wir kurz vor Sonnenuntergang ankommen. Die Gegend haben wir uns etwas anders vorgestellt, oder zumindest weniger bewohnt. Wenn man nicht gerade auf einen Campingplatz will, so ist es gar nicht einfach einen ruhigen Stellplatz zu finden. Um den heissen Temperaturen etwas auszuweichen schauen wir uns die Wüste am Morgen und am Abend genauer an. Dazwischen sind wir zu einem Camping und Restaurant gefahren wo wir den Pool für uns in Beschlag nehmen. So ist es einigermassen erträglich in der Hitze. In der Nacht konnten wir leider nicht die Sterne beobachten dafür war der Himmel zu bewölkt, aber wenigstens war es mit dem Wind gerade noch erträglich zum schlafen.

Über Rivera fahren wir nach San Augustin wo wir für ein paar Tage auf einem Campingplatz Unterschlupf finden. Von hier sehen wir uns in den nächsten Tagen einige Archäologische Stätten der San Augustin Kultur an. Hier stehen unzählige Felsskulpturen mit unterschiedlichen Gesichtern. Am letzten Abend haben wir die Möglichkeit, einem speziellen ehemaligen Schulfach der damals von Escobar unterstützten Landschulen beizuwohnen. Dies wollen wir nicht ausschlagen wenn wir schon einmal in Kolumbien sind. Versteckt auf einer kleinen Hacienda mitten im nirgendwo wird uns die Produktion einer kleinen Menge Kokain gezeigt. Es ist schon erschreckend wie einfach und mit welchen Mitteln dies gemacht wird. Das Endprodukt wird dann bis zum Endziel noch einige Male mit Fragwürdigen Chemikalien gestreckt. Wir kommen gut ohne aus, was sicher auch besser ist, sonst nimmt die Reise dann schnell eine andere Wendung.

Nach etwas Kultur fahren wir nach Westen weiter in die Berge, schon nach kurzer Zeit wechselt wieder der Strassenbelag wie auch das Wetter. Als es endlich runter geht und die Strasse von schlimmer Schotterstrasse zu Asphalt wechselt, biegen wir zu den Thermen Agua Hirviendo ab. Diese sind 24 Stunden am Tag geöffnet, was uns etwas überrascht. So gehen wir früh am nächsten Morgen als erstes in das Bad. Da das Wasser sehr Schwefelhaltig ist, stinkt es nach faulen Eiern. Als immer mehr Leute kommen fahren wir wieder weiter, noch nicht nach Popayan, sondern zuerst noch zum Nationalpark Purace und als erstes zum Thermalfeld San Juan. Die Strasse dahin ist noch schlechter als die Gestrige. Vor Ort sitzen wir noch das Graue und Nasse Wetter aus. Am Abend hat es sich etwas beruhigt und wir laufen zu dem schönen und Farbenfrohen Thermalfeld. Weil es so schön war, gehen wir am nächsten Morgen noch einmal hin, bevor wir wieder zurück fahren.

Auf dem Weg nach Popayan biegen wir noch einmal von der Strasse ab und fahren hinauf zum Vulkan Purace und bei der Mine Azufre vorbei. Bei dieser ist zum Glück die Barriere geöffnet und wir kommen so hinauf bis zum Ende der Strasse auf etwa 4100 m.ü.M. Von hier könnte man zum Vulkankrater hinauf laufen, aber bei dieser Wolkendecke verzichten wir darauf. Jetzt geht es aber nach Popayan und dort in der Nähe auf den Camping wo wir schon vor drei Wochen waren. Am nächsten Tag und bei trübem Wetter machen wir noch einen kleinen Abstecher ins Zentrum von Popayan. Dann geht es Nordwärts nach Cali, der Salsa Hauptstadt von Kolumbien. Auf dem Weg begegnen uns auch ein paar interessante Fahrzeuge. In Cali verbringen wir ein paar Tage im Grossstadtdschungel. Hier sind die Temperaturen schon langsam an der oberen Grenze. Priorität hatte hier ein Arztzeugnis zu bekommen, welches wir für unseren nächsten Abschnitt benötigen. Wir möchten uns noch bei Sarah von Private Teacher in Cali bedanken welche uns dabei geholfen hat. Neben dem Gesundheitscheck gehen die Tage in Cali auch sonst schnell vorbei.

Wir fahren den schnellsten Weg aus Cali heraus und dieser geht in die Berge nach Westen. Bei der Abzweigung Buenaventura und Buga ist aber unsere Richtung wegen einer Baustelle gesperrt. So heisst es 30 Kilometer zurück und über eine kleinere und interessantere Bergstrasse. Schlussendlich geht es dann doch noch zum Stausee Calima. Hier machen wir einen Zwischenstopp vor dem Cocora Tal. Über Salento fahren wir am nächsten Tag ins Cocora Tal. Dort machen wir eine Wanderung zwischen den Quindio-Wachspalmen hindurch, welche als höchste Palmenart der Welt gelten. Weiter oben im schönen bewaldeten Tal gehen wir noch beim Kolibri Haus vorbei, wo wir natürlich ein paar schöne Kolibris zu sehen bekommen.

Da wir schon in der Kaffeeregion von Kolumbien sind fahren wir natürlich auch eine Kaffee Hacienda an und machen dort eine Kaffeetour, wo sie uns etwas der Geschichte und der Produktion von des Kaffees zeigen und erzählen. Pirmin gefällt natürlich der gratis Kaffee am besten.

Der erste Teil von Kolumbien haben wir jetzt hinter uns, vieles ist wieder ganz anders als in den südlicheren Ländern. An den Verkehr und die Fahrweise können und wollen wir uns nicht gewöhnen. Die Menschen sind viel neugieriger und interessiert daran was man hier macht und kommen von alleine auf einen zu. Und natürlich gibt es hier viele schöne und interessante Flecken zu entdecken. Mittlerweile sind wir schon wieder weiter und haben auch schon wieder ein Highlight mit unserem Landy hinter uns aber dazu mehr im nächsten Bericht.

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