22-Atlantik

Vor einigen Monaten stellten wir uns die Frage wie es nach Kolumbien weiter geht. Die Variante noch nach Venezuela zu fahren haben wir schon länger gestrichen, da die Lage im Land nach langer Misswirtschaft der Regierung immer unberechenbarer wird und man um das eigene Leben Angst haben muss. So gibt es nur noch 2 Möglichkeiten, nach Norden oder zurück nach Europa. Zentral- und Nordamerika war bei unserer Planung nur als Option angedacht und je näher dies kam desto sicherer waren wir, dass wir diese Option nicht einlösen. Also zurück nach Europa, aber bitte gleichzeitig mit dem Fahrzeug, genau so wie wir aus der Schweiz raus sind wollen wir wieder zurück kommen. Das heisst, während unser Fahrzeug im Container nach Europa ist, brauchen wir für uns noch eine Überbrückungslösung. So informierten wir uns über verschiedene Varianten, von Kuba bis Kreuzfahrten in der Karibik. Schlussendlich haben wir uns dafür entschieden mit einem Containerschiff den Atlantik nach Europa zu überqueren, der Gedanke war, dass auch unser Fahrzeug auf dem selben Schiff ist. Für uns haben wir darum über Globoship in der Schweiz die Überfahrt mit dem Schiff Fort St. Pierre der französischen Reederei CMA CMG auf Anfang November gebucht. Hierzu wurde auch ein Arztzeugnis verlangt, darum waren wir im Bericht 20-SiSenor in Cali beim Arzt. Für den Container nahmen wir Kontakt mit einem Agenten in Cartagena auf. Er sagte uns dass sei kein Problem und er könne unseren Landy ohne weiteres auf die Fort St. Pierre zuteilen, dies aber frühestens drei Wochen vor Abfahrt. Aber wie so oft funktioniert nicht alles wie erhofft.
Darum mussten wir im letzten Bericht auf einmal zügig nach Cartagena, wo wir jetzt wieder am Schluss beim offenen Teil vom letzten Bericht sind. Nach zwei Treffen mit unserem Agenten Manfred ist nun endlich klar wo das Problem ist. Da unsere Überfahrt nicht den direkten Weg nach Europa geht, konnte er unser Schiff nicht finden. Später stellte sich dann die Reederei quer, den Container auf dieser Route mitzunehmen, so dass nun klar ist, dass unser Landy mit einem anderen Schiff über den Atlantik muss. Dass heisst aber auch, dieser ist vor uns in Hamburg. Die nächsten Tage verbrachten wir nun mit Papierkram und wurden von einem Schalter zum nächsten geführt. Zwischendurch erhalten wir etwas Abwechslung in Gestalt von einem Papagei, dieser nutzt jede sich bietende Gelegenheit um in das Hafenbüro zu kommen, um zu zeigen wer das Sagen hat. Als endlich aller Papierkram erledigt ist, muss nur noch unser Landy im Hafen in den Container. Vorher muss aber alles ausgeräumt werden, damit die Polizei die Sachen und das Fahrzeug auf Illegale Waren durchsuchen kann. Dann heisst es alles wieder einräumen und mit dem Landy in den Container, wo er festgezurrt wird. Der Container wird verschlossen, versiegelt und ist bereit für die Überfahrt nach Europa.

Wie im letzten Bericht geschrieben hatten wir danach noch ein paar Tage Zeit um Cartagena zu besichtigen. Dann war endlich der Abreisetag gekommen. Nun mussten wir nur noch auf das Containerschiff Fort St. Pierre im Hafen kommen. Was aber wieder einige Nerven kostete. Wir hatten von der Reiseagentur einen Kontakt in Cartagena, diesen haben wir auch kontaktiert sind dann vorgängig bei der Hafenbehörde AGP vorbei, um dort unser definitiver Kontakt mit Telefonnummer und E-Mail zu bekommen. Bis zum Abreisetag hat dann aber Manfred unser Agent für den Container auch die AGP kontaktiert, damit wir auch ja gut behandelt werden! Dies hat aber wieder danach ausgeschaut, dass er für uns verantwortlich ist. So hat sich am Abreisetag natürlich keiner für uns verantwortlich gefühlt. Wie sagt man: zu viele Köche verderben den Brei. So mussten wir wieder Kontakt aufnehmen und zuerst die Sachlage klären. Dann hiess es nur noch warten. Spät am Abend um kurz nach 21 Uhr wurden wir abgeholt, über die Migration um unsere Pässe zu stempeln, geht es zum Hafen und nach der Gepäckkontrolle endlich auf das Containerschiff. Es geht zum Schluss so schnell dass wir glatt vergessen Südamerika auf Wiedersehen zu sagen.

Hier unsere Route:

Wie ihr auf der Karte gesehen habt, geht es als erstes von Kolumbien nach Guatemala. Bis dahin haben wir ein paar Tage, so machen wir uns mit der neuen Umgebung bekannt und geniessen die Vollpension. Im Hafen von Santo Tomas de Castilla in Guatemala machen wir nur einen kleinen Stopp über Nacht und fahren schon am nächsten Morgen wieder weiter. Der nächste Hafen Puerto Cortés in Honduras ist sozusagen nur um die Ecke, so legen wir noch am selben Tag dort an. Wir gehen dieses Mal vom Schiff hinunter und wollen uns kurz in der nahen Ortschaft umsehen. Wir kommen aber nicht sehr weit. Am Hafenausgang fehlen unsere Papiere, die Crew hat diese anscheinend nicht für wichtig gehalten und nur die Papiere von der Mannschaft zum Hafenbüro geschickt. Zurück beim Schiff finden wir dann unsere Papiere, aber da das Schiff schon in weniger als einer Stunde wieder ablegt bleiben wir besser an Bord.

Von Honduras brauchen wir zwei Tage bis zum Hafen von Limon, Costa Rica. Dort kommen wir aber etwas zu früh an und müssen zuerst vor dem Hafen warten bis ein Anlegeplatz frei wird. Der Pilot kommt am nächsten Morgen auf das Schiff um in den Hafen zu fahren, aber der Anker hat sich anscheinend auf dem Meeresgrund verheddert und kann nicht eingezogen werden. So vergehen Stunden und wir verlieren fürs erste einmal unseren Anlegeplatz. Ein paar Taucher gehen dann hinunter zum Anker und bringen dann die richtige Information, in welche Richtung gezogen werden muss. So kommen wir dann doch noch los und können in den Hafen fahren. Dort warten schon unzählige Lastwagen mit leeren und beladenen Auflegern. Während das Schiff entladen wird, wollen wir am späten Abend zu Fuss noch kurz in die Ortschaft. Aber auch dieses Mal kommen wir nicht aus dem Hafengelände hinaus. Dieses Mal fehlt uns der Stempel und die Unterschrift vom Zoll. Zurück beim Schiff können wir momentan nicht viel anderes machen als schlafen gehen und hoffen das morgen dies dann erledigt ist. Nach dem Morgenessen können wir endlich die Ortschaft besichtigen. In der Nacht hat auch noch ein Kreuzfahrtschiff angelegt, so hat es neben uns auch noch viele Touristen, welche von den Einheimischen tüchtig umgarnt werden. Viel gibt es nicht zu sehen in dieser Hafenortschaft, aber es tut gut sich etwas zu bewegen.

Das Schiff wurde fast ganz entladen und mit relativ wenigen Containern beladen. Dafür haben wir durch das Problem mit dem Anker, jetzt fast einen Tag Verspätung und es geht mit Vollgas nach Kingston, Jamaika. Dort legen wir um Mitternacht im Hafen an und fahren, mit ein paar Containern mehr, schon am nächsten Morgen um 8 Uhr wieder ab.

Von Jamaika durchqueren wir nun in 11-12 Tagen den Atlantik. In dieser Zeit wird es von Tag zu Tag immer kühler und die Sonne scheint weniger Stunden. Wir erleben verschiedene Wellenarten von kurzen scharfen bis langgezogenen Wellen, welche das Schiff ziemlich in Schräglage bringen. Uns hat dies zum Glück nicht viel ausgemacht und wir konnten trotzdem gut schlafen. Wegen des guten und reichlichen Essens an Bord nehmen wir während unserer Schiffspassage auch den Schiffs eigenen Pool und den Fitnessraum in Anspruch. Während der ganzen Zeit sehen wir um uns herum nur Wasser, Regen, Wolken, Sonne oder anders gesagt, viel blau, etwas grau und am Morgen bzw. am Abend kommen noch andere Farben dazu. Erst als wir in den Ärmelkanal hinein fahren, sehen wir wieder Land und es hat andere Schiffe um uns herum.

In der Nacht fahren wir die Neue Maas hinauf und in den hintersten Teil vom Rotterdamer Hafen. Hier sind wir etwas enttäuscht, den für einen so grossen Hafen sehen wir an diesem Tag keine grosse Schiffe. Bei unserem Schiff wird den ganzen Tag ein Container um den anderen entladen und zum Schluss wieder mit Neuen beladen. Um 23 Uhr geht es wieder aus dem Hafen hinaus aufs offene Meer, bis dahin sehen wir entlang des Flusses ein riesiges Lichtermeer.
Der nächste Hafen in Hamburg ist nun schon Endstation. Aber vorher sehen wir auf dem Weg dahin noch einige Offshore Windanlagen bis wir am späten Abend in die Elbe hineinfahren. Fast ganze 7 Stunden vergehen bis wir in Hamburg beim Containerterminal anlegen. Und jetzt zum Schluss sehen wir doch noch ein paar Ozeanriesen, dagegen sieht unser Schiff schon fast klein aus. Nach dem Morgenessen packen wir unsere sieben Sachen, nehmen Abschied von der Crew und dem Schiff welche uns 26 Tage beherbergten. Jetzt stehen wir nach mehr als 2 Jahren wieder auf Europäischem Boden.

Vor dem Hafengelände wartet schon Reinhard mit seinem Reisemobil auf uns. Die nächsten Tage sind wir zu Gast bei Reinhard und Ingrid welche wir auf unserer Schifffahrt nach Südamerika kennengelernt haben. Am Wochenende führen sie uns durch ihr Hamburg und erzählen uns einiges interessantes über die Hafenstadt an der Elbe. Am Samstag machen wir eine kleine Schiffsfahrt auf der Elbe, schauen uns fünf verschiedene Weihnachtsmärkte um die Alster und dem Rathaus an. Besuchen den Dom mit dem riesigen Jahrmarkt und den vielen Fahrgeschäften. Von da ist die Reeperbahn auch nicht mehr weit, so dass wir diese natürlich auch noch anschauen. Nach einer kurzen Nacht geht es zum Hamburger Fischmarkt, wo wir erstaunt feststellen, dass es hier Preise gibt wie in Südamerika. Kurz bevor sie zusammenräumen müssen, wird einem die Frischware zu unglaublichen Preisen nachgeworfen. Da müsste man eigentlich in der nähe sein Auto haben, damit man dieses füllen könnte. Ohne etwas gekauft zu haben, gehen wir zu einer Andacht in der Hauptkirche Sankt Michaelis. Von da geht es weiter zu den Krameramtsstuben, wo noch Ursprüngliche Gebäude von Hamburg stehen. Nach alten geht es zu einem neuen Gebäude, die Elbphilharmonie wurde vor kurzem eröffnet. Wir besichtigten den öffentlichen Bereich und genossen die tolle Aussicht. Nach dem Wochenende gehen wir zum Hafen wo wir unser Fahrzeug wohlbehalten in Empfang nehmen. Einfach losfahren können wir aber nicht, zuerst müssen wir noch zum Zoll um ein letztes Mal den Papierkrieg zu erledigen. Die Tage in Hamburg werden wir von Ingrid und Reinhard verwöhnt, dass wir fast nicht wieder gehen wollen. An unserem letzten Abend laden wir sie zum Dank in ein schönes Restaurant ein.
Dann heisst es unsere sieben Sachen packen und von unseren lieben Gastgebern Abschied nehmen. Hiermit danken wir ihnen noch einmal für die schöne Zeit bei ihnen Zuhause und für alles was sie für uns getan haben. Von Hamburg aus heisst es noch einmal Kilometer fressen bevor wir endlich die Grenze zur Schweiz überqueren. Still und Heimlich kommen wir am späten Abend nach 781 Tagen wieder in Einsiedeln an.

Jetzt sind wir zwar wieder Zuhause, aber ganz angekommen sind wir noch nicht. Alles erlebte ist irgendwie noch so nah und greifbar. Vermutlich brauchen wir noch einige Zeit bis wir hier ganz ankommen.

So fürs erste ist es dass von uns gewesen.

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