19-Mittelerde

Das Ende vom letzten Bericht hat uns auch in diesem Abschnitt noch weiterverfolgt, wir konnten die ganze Geschichte mit dem Vulkan Chimborazo einfach nicht auf uns sitzen lassen. Aber so einfach wie wir uns dass erhofft hatten läuft es auch dieses Mal nicht.
Aber bevor wir wieder am Berg sind geht es zuerst in den Dschungel. Von Riobamba fahren wir nach Banos, wo wir schon vor ein paar Wochen waren. Wir schauen uns in diesem Tal die Route der Wasserfälle an. Ein Wasserfall nach dem anderen und immer wieder hat es Seilbahnen und Canopy Seile auf die andere Seite vom Tal. Wir machen einige Fotos aber lassen fürs erste die Seilbahnen links liegen. Den Wasserfall „Cascada Pailón Del Diablo“ schauen wir uns etwas genauer an. Zuerst von der östlichen und Einheimischen Seite und später von der gegenüberliegender „Gringo“ Seite. Leider kann man nicht von der einen auf die andere Seite laufen, die beiden Wege trennt zwar nur eine Kante und ein paar Armierungseisen. Am nächsten Tag gehen wir noch einmal zum Wasserfall „Cascada Agoyan“ und nehmen dieses Mal die Seilbahn über den Wasserfall auf die andere Seite. Ob die Seilbahnen von hier auch in der Schweiz zugelassen wären ist aber wohl eher fraglich.

Danach fahren wir das Tal immer weiter hinunter bis nach Puyo, wo wir beim Affen Auffangprojekt „Rescate de Los Monos“ vorbei schauen. Von da geht es noch zum Parkplatz eines Orchideen Parks, aber wegen schlechtem Wetter lassen wir die Besichtigung sein. Über Misahualli fahren wir immer weiter östlich am Fluss Rio Napo entlang. Eigentlich wollten wir schon lange vor der Ortschaft Coca über den Fluss aber entweder haben wir die Brücke übersehen oder es gibt vorher keine andere! So kommen wir nach ein paar Kilometer Schotterstrasse und drei Wasserdurchfahrten in Coca an. Da wir jetzt schon hier sind, holen wir ein paar Offerten ein, für einen Dschungeltrip in den Yasuni Nationalpark. Nach einer Nacht Bedenkzeit entscheiden wir uns gegen eine Tour in den Nationalpark. Die einzelnen Offerten sind nicht ganz nach unserem Geschmack, entweder zu nahe an der Ortschaft, zu Touristisch (Tagesausflüge), lange Anfahrtszeit, oder Zelten an der Grenze zu Peru. So fahren wir weiter bis Lago Agrio, wo wir uns noch einmal nach einer Dschungeltour umschauen. Nicht mehr für den Yasuni Nationalpark sondern das Reservat Cuyabeno. Trotz Hochsaison bekommen wir noch ein sehr günstiges Angebot. Und schon nächsten Morgen werden wir für 5 Tage zur Lodge transportiert.

Am ersten Tag werden wir mit einem Schulbus in 2 Fahrstunden bis zum Eingang am Fluss Cuyabeno gefahren. Dort steigen wir auf ein Boot um und fahren immer weiter auf dem Fluss in das Reservat bzw. den Dschungel hinein. Leider beginnt es schon nach kurzer Zeit auf dem Boot zu regnen und wir können die gut 2 Stunden auf dem Boot nicht mehr zum observieren der Tierwelt nutzen, sondern fahren zügig und in Ponchos gehüllt zu unserer Unterkunft. Schon jetzt sind wir froh, haben wir nicht die Zelttour in den Yasuni Nationalpark gemacht, mit nassen Kleidern im Dschungel wäre es nicht gerade angenehm gewesen. Bei diesem tristen Wetter unternehmen wir nur noch eine kleine Angeltour um Piranhas zu fischen. Der zweite Tag ist dann aber schon wieder trocken, nur wegen den dunklen Wolken trauen wir dem ganzen noch nicht und nehmen gerne den Regenponcho mit ins Kanu. Zusammen mit dem Guide und einem Polen paddeln wir um die Laguna Grande, beobachten Rosa Flussdelfine, suchen Anakondas beim Sonnenbaden und schauen bei einem Äquator Denkmal vorbei. Hier setzen wir seit langem wieder einmal unserem Fuss auf die Nördliche Halbkugel. Nach dem Mittagessen paddeln wir langsam wieder zur Unterkunft zurück. Am Flussufer sehen wir immer wieder verschiedene Vögel und ein paar einzelne Affen. Zurück in der Lodge sind wir froh, nach mehreren Stunden im Kanu endlich die Paddel beiseite zu legen.

Kurz nach dem Eindunkeln machen wir einen kleinen Rundgang in den Urwald um unsere Lodge herum. Jetzt im Schutz der Nacht sind viele Tiere und Insekten aktiv und man bekommt einiges zu sehen. Dieser Rundgang ist für uns im Nachhinein definitiv ein Highlight im Reservat gewesen.

Schon vor dem Morgenessen machen wir wieder mit dem Kanu einen Ausflug um in der Dämmerung den Vögeln zu lauschen. Zurück in der Lodge gibt es dann das Morgenessen zur Stärkung. Den nächsten Ausflug unternehmen wir alleine mit unserem Guide, der Pole wird heute wieder zurück in die Zivilisation transportiert. Mit dem Kanu geht es zu einem kleinen Dschungelpfad. Zu Beginn ist der Weg noch Unterwasser aber je weiter wir in den Urwald laufen desto trockener wird es. Unser Guide erklärt uns wie die einzelnen Pflanzen als Gift zur Jagd, oder als Heilmittel gegen alle möglichen Beschwerden verwendet werden können. Dazu sehen wir entlang des Weges immer wieder diverse Käfer, Frösche und Spinnen. Lauschen und beobachten Vögel und Affen oben auf den Baumwipfeln. Aber zum Fotografieren ist es hier gar nicht einfach, relativ dunkel, weite Entfernungen und viele Pflanzen die die Sicht verdecken. Nach gut 3 Stunden auf den Dschungelpfaden und der Rückfahrt auf dem Fluss per Kanu sind wir wieder zurück in der Lodge, wo wir unser verdientes Mittagessen bekommen. Am Nachmittag machen wir noch mit der ganzen Belegschaft der Lodge einen Fischerausflug. Dieses Mal funktioniert es schon besser, aber bei uns beissen immer noch eher kleine Fische an und meist fressen die Piranhas den ganzen Fleischköder ohne richtig in den Angelhaken zu beissen.

Heute am vierten Tag steht der Besuch eines Dorfes auf dem Programm, aber schon vorher werden wir gewarnt das hier nur noch die wenigsten Leute sich traditionell kleiden. Mit dem Boot geht es den Fluss abwärts zum Dorf. Als erstes werden wir vom Schamanen empfangen. Er erzählt uns über seine Ausbildung und sein Leben. Dann unterzieht er uns noch einer rituellen Reinigung. Nach einem Abstecher zu einem der grössten Bäume in der Gegend, werden wir in der Herstellung von Maniokfladenbrot eingewiesen, um im Anschluss davon zu kosten. Nach dieser Stärkung sind wir bereit für die Jagd! Zum Glück müssen wir unser Essen nicht selber jagen denn sonst würden wir vermutlich verhungern, wie die Bilder mit dem Blasrohr zeigen.

Am Abend geht es mit dem Boot noch einmal zur Lagune, wo wir bei der Flussmündung noch einmal Flussdelfine sehen. Danach nehmen wir noch ein erfrischendes Bad und hoffen, dass uns die Anakondas und Kaimane nicht entdecken! Nach dem Sonnenuntergang geht es wieder zügig zurück zur Unterkunft bevor der Bootsfahrer nichts mehr sieht. Am letzten Tag machen wir noch einmal eine gemütliche Ausfahrt mit dem Kanu, bevor wir mit dem Boot wieder zurück zum Eingang gebracht werden und von dort mit dem Bus nach Lago Agrio kommen.

Nach einer Nacht in der Ortschaft fahren wir bei strömendem Regen langsam Richtung Berge. Als wir beim Wasserfall San Rafael ankommen hat sich der Regen ein bisschen gelegt und wir können trocknen Fusses zu diesem laufen. Zurück beim Fahrzeug fahren wir nur noch ein paar Meter zu einem ebenem Parkplatz. Kaum haben wir den Motor ausgemacht, hören wir ein tiefes grollen. Das Geräusch kommt vom nahen aktiven Vulkan Reventador welcher gerade wieder eine Aschewolke in den Himmel spuckt, noch mehrmals an diesem Abend können wir dem Schauspiel beiwohnen. Nach einer ruhigen Nacht fahren wir weiter, erster Halt ist beim Fluss Rio Malo wo wir zu einem weiteren Wasserfall laufen. Nach einem Schild soll hier das Paradies sein, aber dies kann nicht die Erklärung sein warum der alte gelbe Lastwagen neben dem Weg abgestellt ist!

Später am Nachmittag erreichen wir über die Ortschaft Papallacta den Südlichen Teil vom Reservat Cayambe-Coca. Hier wollen wir eine kleine Wanderung machen, aber schon nach kurzer Zeit beginnt es zu regnen und wir brechen ab. Zurück geht es zur Ortschaft Papallacta welche vor allem wegen den Thermen bekannt sind, wir fahren aber noch etwas weiter ausserhalb der Ortschaft zur Therme Jamanco, welche deutlich Kostengünstiger ist. Von hier sind wir am nächsten Tag schnell in Quito, wo wir eine Werkstatt anfahren um bei der vorderen Achse das Öl zu wechseln und neue Ölfilter zu kaufen. Dann geht es noch einmal zum Hostal Zentrum welches wir beim letzten Besuch in Quito als Unterkunft genutzt haben. Von hier nehmen wir noch einmal den Vulkan Chimborazo in Angriff, denn der gescheiterte Versuch nagt immer noch an uns. Als erstes fahren wir zum Berg Pasochoa, wo wir eine kleine Wanderung zu dessen Gipfeln machen. Wie so üblich ist es auch heute wieder einmal bewölkt aber dies hindert uns nicht auch noch den höchsten und steilen Gipfel zu besteigen. Von dort ist es zum Cotopaxi nicht mehr weit, aber der Vulkan ist immer noch gesperrt, so fahren wir nicht in den Nationalpark sondern übernachten nur in dessen Sichtweite. Auch am nächsten Tag ist der Cotopaxi hauptsächlich in den Wolken versteckt. Wir fahren also weiter über Ambato von Norden an den Chimborazo heran. Wir nehmen einen Feldweg welcher zum Vulkan Carihuairazo etwas Nördlich vom Chimborazo führt. Aber hier auf der Wetterseite des Chimborazo verweilen wir nur eine Nacht.

Den Nationalfeiertag der Schweiz feiern wir nicht, sondern fahren hinunter nach Riobamba und buchen noch einmal einen Guide für die Besteigung vom 3. auf den 4. August. Hier erfahren wir auch dass heute jemand oben war und die Schneeverhältnisse gut sind. Nach drei Wochen sind wir nun wieder hier beim Refugio auf 4800m.ü.M und übernachten im Fahrzeug unterhalb des Vulkans Chimborazo. Die Nacht ist völlig windstill und wir fragen uns schon wieder ob wir nicht heute hätten gehen sollen! Aber schon um drei Uhr Morgens kommen die Gruppen wieder vom Berg und wir wundern uns ein bisschen. Das Wetter sah für uns perfekt aus! Am Morgen hören wir aber dass es auf der Route unterhalb des „El Castillos“ Steinschlag hatte. So sind wir schon wieder nicht so optimistisch dass es klappen könnte. Denn dies hätten wir nicht erwartet. Wir haben noch mehr als einen Tag Zeit, so machen wir vom Refugio noch eine kleine Wanderung entlang des Vulkans zur Höhle Templo de Machay. Was auch nicht ganz zu unterschätzen ist, da man den Weg zum Teil im Gelände suchen muss und der Weg zurück zur Hütte wieder ansteigt und dies immerhin knapp unterhalb von 5000m.ü.M. Die zweite Nacht hier oben verbringen wir nun im Refugio, geniessen das Bett und das feine Essen. Auch diese Nacht schafft es keiner auf den Gipfel. Bei uns unten im Refugio war es relativ ruhig, aber oben hatte es einen Schneesturm, so dass die letzte Gruppe bei Schnee und Kälte gerade so 6000m.ü.M erreichte und dann aufgeben musste. Diese Nachricht stärkt uns auch nicht wirklich denn heute sind wir an der Reihe.

Kurz vor Mittag kommt unser Guide Eloy mit unserer restlichen Ausrüstung aus Riobamba. Beim Mittagessen machen wir uns bekannt und stärken uns. Hierbei erfahren wir auch, dass er in den 26 Jahren seit er als Guide arbeitet, schon 470 Mal auf dem Gipfel war. Wir sind beeindruckt! Dann heisst es Ausrüstung prüfen und letzte Vorbereitungen treffen, bevor wir uns hinlegen und versuchen zu schlafen. Aber schon die letzten Nächte klappte dies nicht so gut, wir können im Moment den Kopf einfach nicht ganz abschalten. Zu viele Gedanken machen wir uns wegen der Besteigung, auch wegen dem fehlgeschlagenen letzten Mal. Um fünf nehmen wir zusammen mit Eloy unser Nachtessen zu uns. Zu unserer Überraschung gibt es wieder Reis und keine Teigwaren, wenn sich das nicht noch Rächt. Das Essen selber hier im Refugio ist aber sonst sehr gut und nicht nur einfache Gerichte, sondern wirklich gut zubereitet und gewürzt. Nach dem Essen besprechen wir noch den Ablauf und die Details der heutigen Nacht. Eloy informiert uns sehr ausführlich und gibt noch einige Hinweise was wir beachten müssen. Betreff Route nehmen wir nicht wie bisher angenommen die Route 2, sondern wenn sich der Wind nicht ändert die Normal Route wie das letzte Mal.

Beitrag-160804-0941-DSC03598

Bis halb Zehn haben wir nun noch einmal Zeit um etwas zu schlafen. Dann heisst es aufstehen, zuerst schauen wir wie es draussen aussieht. Fast kein Wind und Sternenklar. Aber aus Erfahrung wissen wir, dies kann oben schnell ändern! Jetzt ist klar, wir nehmen wieder die Normal Route. Eine zweier Gruppe (Guide und ein Schweizer) gehen schon etwas früher über die längere Route 2 und bei der dritten Gruppe wissen wir nicht welche sie genommen haben. Nach einem Tee und noch etwas zu Essen brechen wir auch auf. Eloy läuft voraus und gibt das Tempo vor. Zu langsam dürfen wir nicht sein, da sonst die anderen Gruppen auf der Route 2 uns Probleme bereiten könnten. Da die Route 2 zum Teil oberhalb unserer Route durchgeht und sie uns so wortwörtlich Steine in den Weg legen könnten. Wie schon gesagt laufen wir wieder die gleiche Route wie beim ersten Versuch, es geht vom ersten Refugio auf 4800m.ü.M los und nach knapp 200 Höhenmeter am zweiten unbenutzten Refugio vorbei. Kurz die Ausrüstung richten und bis zur Lagune auf 5100m.ü.M ist es nicht weit. Bis hier hin darf man offiziell ohne Guide laufen. Wir mit Guide gehen natürlich direkt weiter, jetzt wird es ein bisschen steiler. Ohne Probleme geht es bis zur Stelle wo wir das letzte Mal umkehren mussten. Jetzt stehen wir also wieder unterhalb des „El Castillos“ beim Steinschlag gefährdeten „El Corridor“. Vom Gefühl her ging es das letzte Mal zwar leichter bis hierhin. Auf einmal gibt es einen lauten Knall. Im Schein unserer Stirnlampen donnert ein Bierfass grosser Stein mit wahnsinniger Geschwindigkeit den Berg hinunter. Der Wind hat zum Glück immer noch nicht aufgefrischt und es kommen auch keine weiteren Steine mehr geflogen. Dieses Mal ziehen wir nun wirklich die Steigeisen an, welche wir die nächsten Stunden nicht mehr abziehen. Von hier durch den Corridor heisst es jetzt zügig den steilen und gefährlichen Abschnitt zu überwinden, also keine Pause zum sich erholen. Es können sich auch bei besten Verhältnissen immer wieder Steine lösen. Gehalten wird jeweils nur kurz um uns zu orientieren und zu lauschen. Wir sind froh oben auf Augenhöhe mit dem Castillo auf 5500m.ü.M zu sein und im Schutz eines Felsvorsprunges eine Pause machen zu können. Nach der Pause geht es die ersten 100 Höhenmeter auf der Westflanke des Vulkans auf gefrorenem Geröll weiter. Dazwischen gibt es noch eine kurze Kletterpartie welche wir im Dunkel ohne Probleme überwinden. Auf 5600m.ü.M beginnt der Gletscher, welcher sich in den letzten Jahren auch immer weiter zurück gezogen hat. Wer gedacht hat ab hier geht es einfacher, der hat sich getäuscht. Wir laufen fast direkt Richtung Gipfel mit einer Steigung von 35° Grad bis max. 45° Grad und dass in der dünnen Höhenluft. Bei ca. 5700m.ü.M muss sich Michael auf einmal übergeben. Die Verpflegung und die darauf folgende Anstrengung war anscheinend zu viel. Eloy fragt wie es mit dem Kopf aussieht, aber hier gibt es keine Schmerzen, so ist er der Meinung dass wir weiter laufen. Ab da wird es auch für Pi Mental nicht einfacher. Die nächsten 100 Höhenmeter bis zur nächsten grösseren Pause ziehen sich und immer wieder stoppt Michael die mit dem Sicherungsseil verbundene Gruppe, um wieder zu husten und zu Atem zu kommen. Während der Pause auf 5800m.ü.M natürlich die Diskussion wie weiter, Pirmin hat sich in Gedanken und im Gespräch mit Michael langsam schon mit der Umkehr abgefunden. Was aber Eloy auf Deutsch natürlich nicht mitbekommt, denn er ist der Meinung dass wir weiter laufen und den Gipfel erreichen. Wir versuchen es also weiter. Die nächsten 200 Höhenmeter gehen gleich weiter wie vor der Pause immer wieder bremst Michael die Gruppe um wieder zu husten und nach Luft zu hecheln. Auf 6000m.ü.M und einer weiteren Pause wird wieder diskutiert, Michael gibt sich im Moment schon fast mit dieser Höhe zufrieden, da wir aber immer noch in der Zeit sind und es nicht schlimmer wurde, versuchen wir es weiter. Pi hofft im Moment überhaupt den Vorgipfel zu erreichen was von den Guides aus hier schon als Besteigung zählt! Dann auf einmal läuft es wieder wie von selbst, von nun an gibt Eloy die Verschnaufpausen vor und nicht mehr Michael. Kurz vor dem Vorgipfel geht es noch durch ein Labyrinth von Eis- und Schneekanälen. Nach 6 Stunden um 4:30Uhr stehen wir auf dem Vorgipfel „Ventimilla” auf 6228m.ü.M. Was vor kurzem noch für unmöglich schien, wird jetzt aber Tatsache. Wir laufen nach einer Pause weiter zum Hauptgipfel, welcher ca. 600m Luftlinie entfernt ist. Dazu geht es noch einmal etwas hinunter in ein Labyrinth von Gletscherspalten um dann am Schluss noch einmal steil anzusteigen. Schon nach einer halben Stunde und vor der Zeit und auch vor dem Sonnenaufgang erreichen wir den Hauptgipfel mit 6263m.ü.M. Zumindest sagt uns Eloy das auf einmal und bleibt unvermittelt stehen. Doch sind wir nun wirklich ganz oben? Wir können es kaum glauben und sehen können wir es auch nicht, es ist ja noch dunkel. Doch tatsächlich als wir mit der Stirnlampe die Umgebung ausleuchten erkennen wir, dass das Gelände um uns herum abschüssig ist. Unglaublich, wie lange haben wir auf diesen Moment gewartet und gehofft. Jetzt ist es endlich geschafft!

Lange können wir den Moment im leichten Schneefall nicht geniessen. Nach ein paar Fotos und etwas trinken müssen wir zurück zum Vorgipfel, damit wir nicht zu fest abkühlen. Dort wird es nun auch langsam heller und wir schiessen noch ein paar Fotos. Aber auch hier können wir nicht lange verweilen wir müssen uns auf den Rückweg machen. Wie Eloy uns gestern beim Nachtessen gewarnt hat wird der Rückweg kein Zuckerschlecken. Das Gefälle hinunter mit den Steigeisen ist fast genau so Streng und mühsam wie hinauf und verbraucht wieder viel Energie. Jetzt wo wir was sehen, ist nur schon der Blick von hier oben hinunter zum Castillo gewaltig, bzw. fast Angst einflössend wie steil und wie weit hinunter es hier geht. Auch jetzt heisst es immer noch auf die Zeit schauen, denn wenn die Sonne den Corridor aufwärmt können wir wegen der Steinschlaggefahr nicht mehr über diesen absteigen. So macht Eloy uns immer wieder Druck, dass wir schleunigst weiterlaufen. Kurz nachdem das Gletscher- und Schneefeld vorbei ist machen wir noch eine kurze Pause. Dann geht es über die Kletterpartie hinunter zum Castillo und sofort weiter durch den Corridor welchen wir wieder zügig aber mit sicherem Schritt durchqueren. Dann können wir endlich unsere Steigeisen abziehen und etwas verschnaufen. Nach Eloy hätten wir 10 Minunten später nicht mehr diesen Weg nehmen dürfen. Jetzt geht es noch die letzten Höhenmeter hinunter an der Lagune und dem 2. Refugio vorbei bis zu unserem Fahrzeug und dem Refugio Hermanos Carrel. Endlich unten und mit müden Beinen können wir zufrieden sagen, wir haben es geschafft!
Ein grosser Dank geht natürlich an Eloy, unseren super Guide. Ohne ihn und wohl auch mit einem anderen Guide wären wir schon weit unter dem Gipfel umgekehrt. Viel haben wir dazu schon im Internet gelesen. Dieses Mal können wir uns auch nicht über das Wetter beklagen, denn wir haben sicher einen sehr guten Tag erwischt. Praktisch kein Wind, oben etwas Schneefall, aber relativ angenehme Temperaturen, dazu noch gute Schneeverhältnisse am Berg, was die Besteigung einfacher macht. Trotzdem wird es wohl eine einmalige Besteigung bleiben, denn für uns war der Aufstieg auch bei „einfachen“ Bedingungen eindrücklich, anstrengend und nicht ohne Probleme. Zur Erfolgsquote können wir nur soviel sagen, dass mit fortschreitendem Schmelzen des Gletschers eine Besteigung nicht einfacher wird. In den drei Nächten als wir oben am Berg bzw. im Refugio waren, sind wir die einzige Gruppe gewesen welche oben auf dem Gipfel war, auch die beiden anderen Gruppen am selben Tag kehrten relativ früh. Als Tipp können wir sagen, wer sich ernsthaft diese Strapazen antun will und unbedingt den Gipfel erreichen möchte, dem können wir nur Eloy als Guide Empfehlen. Denn er selbst will auch auf den Gipfel und nicht nur schnellst möglich sein Geld verdienen. Aber jetzt ist das Kapitel Chimborazo endlich abgeschlossen und wir können mit befreitem Kopf nach vorne schauen.

Nachdem wir alles zusammen geräumt und das Morgenessen im Refugio genossen haben, fahren wir direkt hinunter nach Riobamba, noch kurz bei der Agentur vorbei und danach wieder zum Stellplatz vom Hostal Oasis welchen wir schon einige Nächte hier genutzt haben. Nach Schlafen ist uns aber noch nicht, zu viel ist diese Nacht passiert. Erst am Abend als es dunkel wird legen wir uns hin und schlafen zufrieden ein.
Von Riobamba fahren wir direkt nach Mindo in den Nebelwald. Hier beobachten und fotografieren wir gemütlich in einem Garten Kolibris und Eichhörnchen. Machen in der Ortschaft eine Tour bei einem kleinen Schokoladenproduzenten und erholen uns von den Strapazen am Vulkan.

Nach dem Wochenende geht es wieder hinauf in die Berge oben biegen wir in den Vulkankrater Pululahua ab. Dies ist die einzige bewohnte Caldera in Ecuador. Nach ein paar Fahrten kreuz und quer im Krater fahren wir noch zum Äquator in Mitad del Mundo. Hier wollten wir eigentlich übernachten aber das Personal wollte dies uns nicht erlauben bzw. die Verantwortung übernehmen und den Mut bei der Verwaltung nachfragen hatten sie auch nicht. Darum mussten wir uns noch am Abend einen anderen Platz suchen. Etwas beruhigt gehen wir am nächsten Morgen noch einmal beim Mitad del Mundo Äquatormonument vorbei. Hier stellen wir uns auch auf die Äquatorlinie welche am Boden eingezeichnet ist. Das witzige aber ist auch wenn wir je ein Bein auf der einen Seite haben befinden wir uns trotzdem noch komplett auf der Südhalbkugel, denn die Französische Expedition im Jahre 1736 welche hier zum erstem Mal die genaue Äquatorlinie bestimmt hat, hat sich ein bisschen vermessen. Denn mit der heutigen Technik wurde ermittelt dass die Linie sich 240m weiter im Norden befindet. Danach gehen wir noch zum Privaten Museum de Sitio Intiñan. Welche auch eine Äquatorlinie hat und GPS vermessen ist. Hier machen und zeigen sie ein paar Experimente auf und neben der Linie.

Dann fahren wir Richtung Otavalo, hierzu müssen wir vorher noch einmal die Äquatorlinie überqueren um endgültig auf die Nordhalbkugel zu kommen. In Otavalo wollen wir am Samstag den Markt besuchen, bis dahin verbringen wir die Zeit bei den Lagunen Mojanda und etwas weiter Cuicocha. Um die halbe Lagune Cuicocha herum hat es auch einen Wanderweg welcher aber nur ein Einbahnwanderweg ist. Was wir natürlich nicht wissen. Denn Pi lädt Michael beim „Ausgang“ des Wanderweges ab und fährt dann zurück zur Gegenseite, wo er dann die Wanderung beginnt. Michael macht aber schon nach 100m mit einem Parkranger Bekanntschaft welcher ihm erklärt das man in diese Richtung nicht laufen darf. Erstaunt beginnt die Diskussion wie, wieso und warum. Auch nach erklären der Situation über das Funkgerät darf er noch nicht laufen. Aber so einfach aufgeben und über die Strasse zum Fahrzeug laufen geht ja wirklich nicht. Nach weiterer Diskussion und dem Versprechen nie wieder in diese Richtung zu laufen kann Michael endlich um die Lagune laufen. Viel „Gegenverkehr“ hat es heute auf dem Weg nicht, so ist dies auch gar kein Problem. Auf halbem Weg kommt dann der nächste Ranger und muss auch noch seinen Senf dazugeben. Kurze Zeit später kommt auch schon Pirmin von der anderen ,,richtigen“ Seite, welcher von der ganzen Geschichte noch nichts mitbekommen hat. Dieser wird natürlich vom Ranger gelobt, weil er in die richtige Richtung läuft! Alles in allem eine sehr sinnvolle Regel. Am Freitag besuchen wir den Parque Condor in Otavalo. Pünktlich zur Flugshow betreten wir den Vogelpark, so sitzen wir in der Arena und bestaunen die Flugshow der Raubvögel.

In Otavalo findet wie vorher schon geschrieben ein überregional, farbenfroher Markt statt. Vor allem Samstag ist dieser Markt sehr gross und die Einheimischen noch zum grossen Teil in ihrer Traditionellen Kleidung unterwegs. Von Otavalo fahren wir nach Ibarra zur Finca Sommerwind, dem Overlander Treffpunkt in Ecuador. Hier lassen wir unseren aktuellen Bericht ausklingen.

Langsam verabschieden wir uns nun von Ecuador und vom Vulkan Chimborazo welcher uns so viele Probleme und Schlaflose Nächte bereitet hat. Noch ein paar Tage, dann beginnt ein neuer Abschnitt in einem neuen Land. Viel haben wir schon von Kolumbien gehört wird sind gespannt wie es wird. Dazu mehr ihm nächsten Bericht.

Kommentare sind geschlossen.