18-Wolkenland

Wir fahren zügig nach Norden, in zwei Tagen sind wir zurück in Ecuador. Dieses Mal überqueren wir die Grenze bei Macara. An der Grenze haben wir, zu unserem erstaunen, noch 70 Tage Visum bekommen. Einzige Erklärung ist, dass uns der Galapagos Aufenthalt im Mai nicht angerechnet wurde und wir so länger im Land bleiben können als erwartet (siehe unten Nachtrag 2). Als erstes müssen wir aber wieder Diesel tanken, sonst kommen wir nicht mehr weit mit dem leeren Tank. Wir sind fast mit dem letzten Tropfen Treibstoff über die Grenze gekommen, da ja das Tanken in Ecuador viel günstiger ist. Am nächsten Morgen entscheiden wir uns kurzfristig für eine Routen Änderung und fahren nicht weiter Richtung Loja. Sondern zur Küste damit wir noch zum Versteinerten Wald Puyango können. Die Strassen dahin sind alle asphaltiert, so kommen wir zügig voran. Der versteinerte Wald liegt in einem weniger Touristisch erschlossenen Teil von Ecuador. Der Guide kommt nur bis zum Eingang mit, dann lässt er uns das Gelände selber erkundschaften. Die Wege führen über zum Teil verlotterte Holzstege, diese verrotten anscheinend schnell in diesem feucht heissen Klima. Neben den versteinerten alten Baumstämmen ist für uns der aktuelle Wald fast interessanter. Neben dem Weg sehen wir immer wieder einzelne versteinerte Stämme, wenn man wohl alles abholzen würde kämen vermutlich noch viele weitere versteinerte Baumstämme ans Tageslicht. Aber dies wäre schade um den aktuellen Wald.

Von der Küste geht es wieder zurück in die Berge hinauf nach Cuenca. Hier verbringen wir ein paar Tage in der Stadt und schauen uns das Museum Pumapunga und die Altstadt an. Leider will momentan das Wetter nicht so mitspielen, aber dies wird uns die nächste Zeit verfolgen. Nächster Halt ist Ingapirca die bedeutendste Inka Ruine in Ecuador, auf Empfehlung von anderen Reisenden schauen wir diese nur von aussen an. Da gerade noch eine Veranstaltung vorbereitet wird, fahren wir noch am selben Tag weiter bis hinunter zur Teufelsnase oder Nariz del Diablo. Auf dem nahen verlassenen Wartungsgelände der „Zick Zack Bahn“ stellen wir unser Fahrzeug ab. Am Morgen laufen wir ein bisschen den Hang hinauf und machen von hier ein paar Fotos vom Touristenzug, welcher aus Alausi hier hinunter fährt und auf dem letzten Stück nicht mehr wenden kann und Retour die eine Serpentine fahren muss. Dann fahren wir nach Alausi und schauen uns das kleine nette Dorf an. Auf den Zugausflug verzichten wir, im Zug wird man nicht mehr sehen.

Wir verbringen das Wochenende in Riobamba, die Stadt selber hat nicht viele Sehenswürdigkeiten, aber wir haben ein schönes Plätzchen mitten in der Stadt fast für uns alleine. Und der eigentliche Grund unseres Aufenthaltes ist, dass wir uns beim Reisebüro Julio Verne über eine Besteigung des Hausberges von Riobamba dem Vulkan Chimborazo informieren wollen, aber mehr dazu später. Da das Wetter momentan immer noch nicht Toll ist fahren wir weiter nach Norden. Machen einen Zwischenstopp im verregneten Touristenort Banos, welches eigentlich ein super Klima das ganze Jahr bieten soll und viele Aktivitäten. Aber bei dem kalten und regenerischen Wetter fahren wir schnell wieder weiter. Den Nationalpark mit dem gleichnamigen Vulkan Cotopaxi erreichen wir um drei Uhr Nachmittags. Da er momentan relativ Aktiv ist, ist ein grosses Gebiet um den Vulkan herum abgesperrt und natürlich auch keine Besteigung möglich. Und aus diesem Grund darf man auch nur von 9 Uhr bis 14 Uhr in den Nationalpark hinein fahren. Darum müssen wir uns noch eine Nacht gedulden. Aber wenigstens verschwindet genau zum Sonnenuntergang die Wolkendecke um den Vulkan herum und wir können noch ein paar Bilder machen. Am nächsten Tag ist dann aber wieder eine dicke Wolkenschicht über uns und wir kriegen auch die nächsten Tage den Cotopaxi nicht mehr zu Gesicht. Da ja fast alles abgeriegelt ist darf man nur zur Lagune hinauf und alles westlich der Strasse durch den Park besichtigen. So ist es auch kein Problem dass wir schon am Nachmittag wieder aus dem Nationalpark hinaus sein müssen. Viel haben wir wirklich nicht gesehen und kalt ist es auch gewesen, so dass man lieber im Fahrzeug war als draussen. Weit ist es nicht mehr bis zur Hauptstadt Quito, wir verbringen aber noch zwei Nächte auf der „Routa de Casacadas“ und besichtigen ein paar Wasserfälle.

In Quito quartieren wir uns im Innenhof des Hostal Zentrum ein, von da besichtigen wir die Stadt. Einer der ersten Ausflüge ist die Freewalking Tour durch die Altstadt wo wir einen ersten Überblick bekommen. Das Highlight der Tour war sicher die Wachablösung beim Präsidentenpalast, inkl. Anwesenheit des aktuellen Präsidenten von Ecuador, die Wachablösung findet jeweils Montags statt. Nach einem weiteren Tag in der Altstadt zieht es uns hinauf zum Hausberg von Quito. Mit der Seilbahn geht es fast 800 Höhenmeter hinauf, oben hat man einen Guten Blick über den Grossraum von Quito. Zu Fuss geht es noch einmal 700 Höhenmeter hinauf bis zum Wolken bedeckten Gipfel des Rucu Pichincha. Wegen den Wolken konnten wir leider den vermutlich herrlichen Ausblick nicht geniessen. Am nächsten Tag besuchen wir noch den kleinen Botanischer Garten in einem der Stadtpärke.

Dann heisst es aber wieder vom Stadtleben abschied nehmen und wieder in die Berge. Es geht noch einmal nach Süden den Berg „El Corazon“ das Herz, lassen wir nach dem wir die Zufahrten gesehen haben, doch links liegen und fahren zu dem Vulkan Los Illiniza. Wir übernachten oben auf dem Parkplatz wo der Wanderweg hinauf zu den zwei Gipfeln des Illinizas beginnt. Hinauf auf einen der Gipfel gehen wir nicht, denn seit einigen Jahren muss für Wanderungen oder Touren über 5000m.ü.M oder teils auch darunter ein Guide mitkommen. Dazu kommt noch, dass das Wetter immer noch nicht mitspielt, der ganze Himmel ist mit einer dicken Wolkendecke bedeckt und wir sehen die Gipfel nicht. Wir gehen trotzdem hinauf bis zum Refugio welches sich nahe dem Sattel der beiden Gipfel Illinizas Nord und Süd befindet. Von da gehen wir noch über denn Pass und hinunter zur nahen Lagune. Aber viel sehen wir nicht bei dem Nebel, oder nur für ein paar Sekunden, wenn der Wind die weisse Suppe etwas anhebt. Am nächsten Tag sehen wir vom Parkplatz aus noch kurz die Berggipfel bevor sie wieder in den Wolken verschwinden.

Über meist gut ausgebaute Strassen fahren wir zur Lagune Quilotoa, welche sich in einem Vulkankrater befindet. Da Sonntag ist, ist bei unserer Ankunft gerade viel Betrieb und es hat viele Einheimische welche einen Sonntagsausflug hierher machen. Wir schauen fürs erste nur einmal über die Kante des Kraters hinunter zur Lagune. Am nächsten Tag laufen wir die 12 km um die Lagune herum. Der Weg führt meist auf der Krähte entlang, so gibt es bis am Schluss doch einige Höhenmeter zu überwinden, wie man auf den Bildern sehen kann.

Von der Lagune geht es weiter nach Salinas, dass heisst wir müssen von knapp 3900m.ü.M hinunter auf unter 1000m.ü.M und wieder hinauf auf 4000m.ü.M. Da es aber nur gut 130km sind dachten wir, dass dies relativ zügig geht, so sind wir erst gegen 11 Uhr los. Die ersten 40 km geht es über gut ausgebaute Strassen. Auf einem Pass zweigen wir auf eine kleinere Schotterstrasse ab, aber alles noch kein Problem davon haben wir schon einige tausend Kilometer in Südamerika befahren. Es geht immer weiter hinunter hinein in die Dschungel Landschaft. Wir erreichen El Corazon über einen kleinen Umweg, was ein bisschen Zeit gekostet hat, aber nicht weiter schlimm war. Dort Verpflegen wir uns und fahren dann aus dem Dorf hinaus in die Schlucht hinunter. Dort müssen wir aber feststellen dass der Weg durch einen Hangrutsch unpassierbar ist. Also alles wieder zurück nach El Corazon und einen anderen Weg nehmen. Dieses Mal scheint es, haben wir die Hauptstrasse erwischt, den diese ist asphaltiert. Aber schon ein paar Kilometer später kommen wir an eine Baustelle welche das Weiterkommen hier unmöglich macht. Kurz vorher haben wir noch ein Schild gesehen welches in die Schlucht hinunter wies, darum versuchen wir es nun mit dieser letzten Möglichkeit, sonst heisst es alles zurück auf Null. Aber der Weg führt uns zum Glück zur anderen Hangseite und wir überwinden heute doch noch den Tiefpunkt unseres Tages. Durch diese ungeplanten Ereignisse ist es schon Nacht als wir uns für einen Stellplatz entscheiden. Dafür haben wir kurz vorher, noch einen schönen fast kitschigen Sonnenuntergang erlebt. Durch die Wolken hindurch gab es ein unglaubliches rot. Am nächsten Tag erreichen wir dann doch noch Salinas. Hier schauen wir uns ein bisschen um und decken uns Hauptsächlich mit dem hiesigen produzierten Käse ein. Fast 4 Kilogramm Käse kommt in unsere Kühltruhe, von Tilsiter, Gruyere bis Einheimische Sorten. Da aber gerade viel los war in der Käserei, fahren wir dann aber auch schon wieder weiter Richtung Chimborazo.

Die nächsten Tage verbringen wir in der Gegend des Vulkans Chimborazo, welcher nicht nur der Höchste Berg von Ecuador ist. Sondern sein Gipfel ist vom Erdmittelpunkt gemessen der am entfernteste Punkt der Erdoberfläche, oder nach dieser Definition 1811m Höher als der Mount Everest 😉. Mehr zum Thema auf Wikipedia.

Beitrag-160712-2142-Chimborazo

Wir fahren am Chimborazo hinauf auf 4840 m.ü.M zum Refugio Hermanos Carrel. Von hier laufen wir hinauf bis zur Lagune Condor Cocha. Wieder unten übernachten wir im Fahrzeug direkt neben dem Refugio. Bis 23 Uhr haben wir es schön ruhig im Fahrzeug, ab dann kommen immer wieder starke Windböen vom Berg. Nach einer Stunde ist es dann Zuviel und wir parkieren um, damit wir windgeschützter stehen.

Am Morgen fahren wir für einen Tag hinunter nach Riobamba und wollen für die übernächste Nacht bei der Agentur Julio Verne eine Gipfelbesteigung des Vulkans Chimborazo buchen, aber als wir vor dem Büro stehen sind die Türen verschlossen, obwohl nach Öffnungszeiten geöffnet sein müsste. Wir erfahren dass sie ein Betriebsausflug haben und wir doch Morgen vorbei kommen sollen. Die zweite Agentur welche wir herausgesucht haben ist nicht mehr unter unserer bekannten Adresse auffindbar. So entschliessen wir, dass wir halt am nächsten Tag bei der ersten Agentur vorbei gehen. Dazwischen sind wir fast wieder bis hinauf zum Refugio gefahren und haben uns den kleinen Wald „Bosque de Polylepis“ bei Orkanartigem Wind angeschaut.
Am Morgen sind wir dann noch einmal hinunter zur Agentur und haben nach langem hin und her, mit der Verzögerung von gestern, entschlossen dass wir für einen Tag später von Montag auf Dienstag buchen. Der Vulkan wird eigentlich nur Nachts bestiegen, damit man spätestens zu Sonnenaufgang auf dem Gipfel ist und möglichst früh wieder unten steht. Am Tag sind die Temperaturen für den Gletscher zu warm und die Steinschlaggefahr ist zu hoch. Wir fahren wieder hinauf zum Refugio Hermanos Carrel auf 4840 m.ü.M. Von hier machen wir noch einmal kurz eine kleine Wanderung zum zweiten Refugio und schauen oberhalb bei der Lagune vorbei. Wieder unten schlafen wir noch eine Nacht im Fahrzeug. Diese Nacht ist bis jetzt die Windstillste seit wir in der Gegend vom Chimborazo sind. An diesem Morgen haben es dann auch zwei von drei Gruppen auf den Gipfel geschafft. So sind wir zuversichtlich dass wir es auch hinauf schaffen können. Gegen Mittag kommt nun auch unser Guide mit der restlichen Ausrüstung von der Agentur. Wir packen unser komplettes Material und beziehen ein Bett im Refugio. Dort kontrollieren und stellen unsere Ausrüstung für die Nacht zusammen. Voll angezogen sehen wir jetzt fast aus wie das Michelin Männchen. Dann Versuchen wir noch etwas zu schlafen bzw. lesen noch etwas in einem Buch da dass andere nicht funktioniert. Um fünf Uhr gibt es das Nachtessen und danach wird der Ablauf für die Besteigung des Vulkans erklärt. Schon nach drei Stunden im Bett heisst es aufstehen, alle Kleiderschichten anziehen, etwas warmes trinken und bereit machen zum aufbrechen. Jetzt geht es in die kalte Nacht. Leider hat es Heute schon früh Wind, aber wir sind gut angezogen und laufen langsam Schritt für Schritt los. Vorbei am Zweiten Refugio, welches momentan nicht betrieben wird, bei der Lagune vorbei und immer weiter den steilen Hang unterhalb des El Castillo hinauf. Nach etwa einem drittel der Höhe gibt es eine Unterbrechung, hier müssten wir die Steigeisen montieren, aber momentan kommen wir nicht dazu. Vor uns kommen immer wieder Steine hinunter, welche sich durch den starken Wind gelöst haben. So heisst es erst einmal warten. {{ Nach einer halben Stunde hat es sich ein bisschen beruhigt und wir können die erste Gefährliche Stelle durchqueren. Auch die zweite und letzte Gefährliche Stelle ist jetzt möglich, oben beim El Castillo sind wir froh, auf dem Grat zu sein. Jetzt müssen wir „nur“ noch die letzten 800 Höhenmeter im steilen Schnee- und Gletscherhang überwinden. Nach ein paar Stunden in der dünnen und kalten Höhenluft sind wir auf dem Vorgipfel Veintimilla angekommen. Von hier müssen wir noch einmal 50 Höhenmeter hinunter und einige kleinere Gletscherspalten überwinden. Dann noch die letzten Höhenmeter hinauf zum Gipfel des 6268m Hohen Chimborazo, wo wir rechtzeitig für den Sonnenaufgang ankommen. Was für ein magischer Moment. }}
Aber „Scheiss Wetter und Scheiss Berg“ ich muss euch und vor allem uns enttäuschen. Das alles geschah bloss in unserer Phantasie. In Wirklichkeit war die Steinschlaggefahr leider zu gross und wir konnten auch nach einer Stunde die Stelle nicht passieren. So hat unser Guide entschieden, dass wir wieder hinunter zum Refugio laufen. Völlig enttäuscht legen wir uns ins Bett. Am Morgen sehen wir oben auf dem Gipfel an Hand der Wolken dass es immer noch stark windet. Nach dieser Nacht schmeckt auch das feine Morgenessen noch nicht so ganz, die Enttäuschung ist immer noch gross, denn von der Kondition hatten wir gestern das Gefühl, dass es hätte klappen können auch mit ein bisschen Wind. Aber leider haben wir die Wetterlotterie verloren welche bei so Hochgebirgstouren nie vorhersehbar ist. Leben ist am Schluss wichtiger als etwas zu erzwingen. Die letzten vier Tage erreichten nur an einem Tag Bergsteiger den Gipfel und dass war ein Tag vor unserem Versuch.

Was haben wir in diesem Abschnitt gelernt? Das Wetter hier in den Ecuadorianischen Anden ist nicht vorhersehbar auf den Wetterbericht kannst du pfeifen und den Wind leider nicht abstellen. Die vielen Wolken weswegen wir den Bericht so getauft haben, hätten uns weniger gestört wenn es besser planbar gewesen wäre. Und wir sind immer noch enttäuscht über den gescheiterten Versuch am Chimborazo. So hoffen wir dass es im nächsten Abschnitt wieder mehr erfreuliche Momente gibt.

Noch einen Gruss an Jonas, mehr Glück beim nächsten Versuch.

Nachtrag 1

Wem das Ende am Chimborazo nicht gefällt sollte unbedingt im nächsten Bericht (19-Mittelerde) weiter lesen. Denn die Geschichte am Vulkan ist noch nicht zu Ende. Ob es auch besser endet?

Nachtrag 2

Also Galapagos zählt definitiv auch zum Visum, die 70 Tage welche wir beim zweiten Mal einreisen erhalten hatten, wurden falsch berechnet! Aber dazu mehr im September Bericht.

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