09-Kehrtwende

Es geht wieder weiter, nach mehr als einer Woche in Cusco fahren wir also langsam Richtung Machu Picchu. Vorher ist aber unsere erste Station die Inkaruine Pisaq. Diese grosse Ruinenanlage wurde auf einem Hügel erbaut und hat einige Terrassen und mehrere Häuseranlagen und auch mindestens einen Tunnel, welcher die einzelnen Häuseranlagen miteinander verbindet. Nach Pisaq brauchen wir erst eine kleine Stärkung, darum machen wir vor den Salzterrassen Salinera de Maras erst einen Verpflegungsstopp. Auf dem Weg hat es ein paar günstigere Cuy (Meerschwein) Restaurants, denn die in Cusco waren uns zu teuer. So probieren wir zum ersten Mal in unserem Leben Cuy. Vermutlich bleibt es auch bei dem einen Mal, da für das Geld nicht wirklich viel dran war und der Geschmack hat uns auch nicht überzeugt. Bei den Salinera de Maras laufen wir die Terrassenartig aufgebauten Salzbecken ab und machen einige Fotos von dem Salzabbaugebiet. Von dort geht es über eine Umfahrung zu den Inkaanbauterrassen Namens Moray. Hier übernachten wir direkt vor der Anlage auf dem ruhigen Parkplatz. Am Morgen machen wir einen Rundgang auf den runden Terrassen welche die Inkas vermutlich als Testanbaugelände benutzt haben um hier Anbaumethoden zu optimieren. Auf jeder Ebene soll ein anderes Klima herrschen und so auch verschiedenen Nahrungsmitteln Platz bieten. Nach einer kurzen Autofahrt erreichen wir Ollantaytambo dort stellen wir unser Fahrzeug in den Innenhof der Ollantaytambo Lodge. Im Dorf organisieren wir uns noch die Verpflegung für die Wanderung nach Machu Picchu. Der wirkliche Grund für den Stopp hier sind aber die Inkaruinen welche in Ollantaytambo auf beiden Seiten in den Hang gebaut wurden. Jetzt am späten Nachmittag sind wir nicht die einzigen welche diese besichtigen wollen. Die steile Treppe hinauf ist voller Touristen und es ist nicht möglich diese zu überholen. Auch der Zugang zum Sonnentempel ist ständig mit fotografierenden Leuten besetzt. So bleibt uns diese Anlage hauptsächlich wegen den vielen Leuten in Erinnerung.

Über den gut ausgebauten Pass Abra Malaga geht es am nächsten Tag nach Santa Maria, von dort biegen wir auf die einspurige Schotterstrasse nach Santa Teresa ab. Dort geht es noch ein paar Kilometer weiter bis zum Wasserkraftwerk Hydroelectrica. Hier Parkieren wir unser Fahrzeug bei einem bewachten Parkplatz ab. Am Morgen heisst es um halb vier Uhr in der Nacht aufstehen. Wir starten auf knapp 1500m.ü.M, zu Fuss geht es 11km entlang der Gleise bis kurz vor Machu Picchu Peoblo oder auch Aguas Calientes genannt auf gut 2000m.ü.M. Dann geht es zuerst einmal 400 Höhenmeter steil die alten Treppen hinauf zum Eingang der Mächtigen und Weltbekannten Inkaruine Machu Picchu. Da wir kurz vor Öffnung der Anlage hier sind kommen wir relativ zügig hinein und die Menschenmassen halten sich auf der Anlage noch in Grenzen. Nach einem Rundgang und einer Verschnaufspause heisst es den Menschenmassen unten bei der Anlage zu entschwinden. Denn wir haben nicht nur das Generalticket für Machu Picchu gelöst sondern noch zusätzlich das Ticket für den über 3000 Meter hohen Berg Machu Picchu Montana. Den Gipfel von diesem erreicht man über unzählige Treppenstufen und einer durch die Sonne fast unerträglichen Hitze. Hier oben bei der Fahne hat man einen super Ausblick über die umliegenden Berge und natürlich Machu Picchu. Um halb Eins wird man oben von den Ruinenaufsehern wieder hinunter gejagt. Wieder unten bei den Ruinen legen wir uns für eine Stunde in den Schatten um uns zu erholen und abzuwarten dass sich die Ruinen langsam leeren. Kurz vor vier Uhr machen wir noch einen kleinen Rundgang, dann gehen wir wieder die Treppen hinunter bis zum Fluss. Von hier heisst es wieder die 11km zurück zum Fahrzeug. Als wir beim Landy ankommen ist es auch schon wieder Dunkel. Nach dem Abendessen geht dieser lange Tag mit über 30km und vielen Höhenmetern in den Beinen zu Ende.
Als Fazit können wir sagen uns hat Machu Picchu gefallen. Die Anlage eingebettet auf dieser fantastischen Landschaft mit den Berghängen ist einzigartig. Die Menschenmassen haben wir nicht so schlimm empfunden. Auch weil wir vorgängig so viel Negatives darüber gehört haben, sind wir wohl vom schlimmsten ausgegangen. Und weiter haben wir auch unser Programm etwas danach gerichtet, dass wir nicht während des grössten Andrangs bei den Ruinen sind. Zu den Kosten können wir nicht viel sagen, wir haben wohl fast die günstigste Variante gewählt, haben aber dafür einige Kilometer im Fahrzeug und zu Fuss auf uns genommen. Mit Abstand am teuersten wäre wohl die Anreise mit dem Touristenzug von Cusco.

Nach dem Tagesausflug nach Machu Picchu wollen wir einen gemütlichen Tag einziehen. Dafür ist angedacht einen Tag beim Thermalbad Cocalmayo zu verbringen. Dieses ist nur etwa 10km von unserem Parkplatz entfernt. Auf dem Weg dahin halten wir noch kurz beim grossen Wasserfall vom Wasserkraftwerk. Bei den Thermen angelangt fällt uns als erstes die Hitze durch die Sonne auf. Nach einer Inspektion der Thermen entscheiden wir weiter zu fahren und den Tag Pause zu streichen. Nicht direkt wegen der Bäder diese sehen gut aus. Aber fast kein Schatten und der Parkplatz halb Baustelle und dazu noch viel Staub. Das lädt uns nicht zum übernachten und baden ein. So fahren wir weiter nach Santa Maria, von dort geht es nicht zurück nach Cusco. Nein, wir nehmen die kleinere Strasse hinten rum nach Andahuaylas. Wie sich aber später herausstellt ist diese Verbindung relativ neu. Das heisst nicht eine neu gebaute Asphaltstrasse sondern fast 300km einspurige Schotterstrasse mit einigen Bergen und Tälern dazwischen. Hinzu kommt noch auf unseren GPS-Karten sind diese nicht korrekt eingezeichnet. Auf der Karte sieht es nach einer geraden Strecke aus, aber in Wirklichkeit sind es viele Serpentinen und die Route verläuft einige Kilometer neben dem Weg vom Navigationsgerät. So dachten wir einige Male es gehe nicht mehr weiter und wir müssten alles wieder zurück. Aber zum Glück konnte uns ein Einheimischer bestätigen dass die Strasse durchgehend befahrbar ist, mit unserem Fahrzeug. Nach zwei Tagen auf dieser Strecke erreichen wir am Morgen Andahuaylas hier decken wir uns wieder mit frischem Gemüse und Nahrungsmitteln ein. Nach unserem Kartenmaterial sind die nächsten gut 200km Strasse in der höchsten Kategorie und darum wohl schnell zu fahren. Aber kaum aus der Ortschaft raus sind wir wohl ein paar Jahre zu früh dran. Die Strasse ist eine Baustelle und auch danach sieht es immer noch nicht nach dieser höchsten Kategorie aus, nur Schotterstrasse entweder mit groben Steinen oder Schlaglöchern. So kommen wir heute nicht so weit wie gedacht und Stellen uns kurz vor dem Eindunkeln an einen kleinen See auf ca. 4300m.ü.M. Auch der nächste Tag ist hauptsächlich ein Fahrtag nach ein paar Kilometern fahren wir für 80km auf Asphalt bevor wir wieder auf eine kleinere Schotterstrasse Richtung Süden abbiegen. Während einer Pause müssen wir noch den einen Reifen wechseln, welcher leider in keinem guten Zustand mehr ist. So können wir diesen wirklich nur noch im Notfall verwenden. Kurz bevor es dunkel wird stellen wir unser Fahrzeug in einer grösseren Kurve in die Wiese. Mit viel Verkehr müssen wir hier sicher nicht rechnen! Kurz nach dem wir am nächsten Tag abgefahren sind macht schon ein Einheimischer Autostopp auf dieser wenig befahrenen und sehr schlechten Strasse. Nach etwa zwei Stunden und endlich auch ein bisschen besserer Strasse laden wir unseren wortkargen Einheimischen oben bei seiner Alphütte ab. Bis zum Pass Abra Culipampa welcher knapp über 5000m.ü.M. hoch ist sind es von hier nur ein paar Kilometer. Oben haben wir einen schönen Ausblick, welcher die Strapazen ein bisschen entschädigt. Der Weg bis zum nächsten 5000er Pass dem Abra Arcata ist zum Glück besser als die letzten Tage. Kurz nach diesem Pass kommen wir in ein grosses Silberminengelände, wo wieder einmal unsere Personalien notiert werden. Die Distanzen auf dieser holprigen Minenstrasse ziehen sich hin, so schaffen wir es nicht mehr unter 4200m.ü.M und müssen uns einmal mehr auf eine kalte Nacht einstellen. Nach einigen Kilometern am nächsten Morgen erreichen wir die Thermen de Calera. Hier gehen wir uns für ein paar Stunden in den Bädern entspannen und auch wieder einmal duschen. Von den Thermen und der Ortschaft Chivay fahren wir am Nachmittag zum Colca Canyon und dem Cruz del Condor. Hier reparieren wir einen unserer Kotschutzlappen notdürftig, damit wir diesen bei dem ganzen Geholper nicht ganz verlieren. Wir übernachten direkt auf dem Parkplatz des Canyons, denn am Morgen wollen wir die ersten sein, die die grossen Kondore vorbei fliegen sehen. Doch die Kondore lassen sich im Gegensatz zu den Touristenmassen Zeit. Es ist schon früh fast alles besetzt. Wir setzten uns auf eine Mauer am Abgrund und warten auf die Kondore. Nach ca. 45 Minuten fliegt zweimal kurz hintereinander einer nahe an uns vorbei. Danach sehen wir die Kondore meist nur noch von weitem, oder gar nicht mehr. Mit der Zeit leeren sich auch die Plätze um uns herum die meisten haben genug und gehen wieder zurück nach Chivay. Wir bleiben noch und werden nach langer Wartezeit belohnt. Wir können genau mit verfolgen wie ein Kondor auf uns zu kommt und über unsere Köpfe hinweg fliegt. Dann kreist er ein paar Runden und verschwindet. Nach 3 Stunden am Colca Canyon, mit warten und beobachten der Kondore haben wir nun auch genug gesehen.

Vom Canyon fahren wir über Chivay direkt nach Arequipa. Dort hat das Hotel Las Mercedes auch einen kleinen Campingbereich mitten in der Stadt. Am Abend sitzen wir im gemütlichen Aufenthaltsraum und checken nach fast zwei Wochen wieder einmal unsere E-Mails und Whatsapp Mitteilungen. Noch wichtiger ist hier ein paar Termin bzw. Ersatzteile zu organisieren. Der Termin in La Paz bei der Autogarage von Ernesto Hug ist schnell per Internettelefon abgemacht. Auch die Bestellung von zwei Dieselfiltern, welche hier in Südamerika nicht zu kriegen sind, ist bei Overlandtechnics in der Schweiz zügig erledigt. In Arequipa schauen wir uns eigentlich nur in der Altstadt um, denn die Agglomeration hat beim hineinfahren nicht einladend ausgesehen. Die Altstadt hat dafür einige schöne Kirchen zu bieten und auch ein paar Museen. Bei den Museen besichtigen wir das Kostenlose Archäologie Museum. Am späten Nachmittag gehen wir dann aber das Highlight von Arequipa anschauen, das Kloster Monasterio de Santa Catalina. Dieses im Jahr 1579 Gegründete Frauenkloster war früher eine Stadt in der Stadt und die Nonnen lebten dort ein abgeschiedenes Leben. Dort verbringen wir fast vier Stunden um alle interessanten Ecken anzuschauen und zu fotografieren. Da ja Bilder meist mehr sagen als tausend Worte, seht euch am besten unsere Fotos an. Zweimal in der Woche ist es auch am Abend geöffnet und es werden Kerzen, Öllampen und andere Leuchten angezündet, dies konnten wir auch noch ein bisschen einfangen bevor uns langsam die Motivation ausging und wir sozusagen abbrechen mussten, da es fast zu viel zu sehen gab.

Mit einem langem Tag im Fahrzeug geht es bis nahe an die Grenze von Chile. In Tacna besorgen wir in einem Schreibwarengeschäft noch ein paar Formulare für die Grenze welche laut einem Gerücht am Grenzübergang zwischen Tacna und Arica benötigt werden, aber an der Grenze selber nicht vorhanden sind. Kaum vorzustellen, aber wir werden es ja sehen am nächsten Tag. Wir übernachten diese Nacht nach langer Zeit wieder einmal auf Meereshöhe und direkt am Meer, der Strand ist zwar nicht das Gelbe vom Ei, geht aber in Ordnung. Die Grenze passieren wir am nächsten Tag ohne grössere Probleme. An diesem frühen Morgen hat es noch keine Warteschlange und wir haben die meisten Papiere schon am Vorabend ausgefüllt. Und Tatsächlich werden die gekauften Papiere benötigt und wir haben auch keine vor Ort gesehen. Keine Ahnung wer auf dieses System gekommen ist. In Arica der Ortschaft direkt nach der Grenze, heisst es Lebensmittel einkaufen und fast Volltanken, denn es geht wieder in die Abgeschiedenheit des Altiplano. Auf 3000m.ü.M., ca. 300m neben der Strasse in den Sandhügeln und einige Kilometer vor Putre, machen wir eine Übernachtungspause, um uns wieder mit der Höhe anzuklimatisieren. Nach der ruhigen Nacht geht es weiter hinauf nach Putre dort machen wir einen kleinen Zwischenhalt und schauen uns im kleinen Dörfchen ein bisschen um. Nach einem Kaffee im örtlichen Restaurant geht es weiter steil hinauf und an einem Schwertransport vorbei und dass auf bis 4600 m.ü.M.! Wir machen noch einen kleinen Abstecher nach Parinacota, wo es eine schöne aus Adobe gebaute Kirche geben soll. Wir sind ein bisschen enttäuscht, da diese Kirche sicher schon bessere Tage gesehen hat und das Ganze uns recht Touristisch wirkt mit den Markständen und immer wieder vorfahrenden Touren. Bei den Lagunen de Cotacotani und beim See Chungará machen wir einen kleinen Fotostopp bzw. unterhalten uns mit dem Parkwächter. Dieser empfiehlt uns die Thermen Chirigualla um zu übernachten. Um diese zu erreichen biegen wir ein paar Meter vor der Grenze zu Bolivien auf eine kleine aber schöne Erdstrasse ab. Nach einigen Kilometern finden wir schliesslich diese Therme. Wir stellen uns leicht Windgeschütz an einen Hang. Die Thermen haben zwei Becken zu bieten, eines unter freiem Himmel mit angenehmer Temperatur und eines in einem kleinen Steinhäuschen mit viel zu heissem Wasser. Doch nach einer kalten Nacht mit -10 Grad Celsius nehmen wir am Morgen ein warmes Bad in den beiden Becken.

Über die Minenstrasse des Salzsees Salar de Surire geht es an eben diesen Salzsee wo wir wieder bei einer Thermen halt machen. Bevor wir aber den Salzsee erreichen machen wir in Guallatiri halt und schauen uns die dortige Kirche an, uns gefällt diese besser als die Touristische in Parinacota. Wen wir uns jetzt die Bilder anschauen, sind wir uns zwar nicht mehr sicher! Aber jeder soll selber für sich entscheiden. Beim Salzsee Salar de Surire und den Naturthermen Polloquere machen wir wieder einen Stopp, so könnten wir uns am Morgen wieder in den Thermen aufwärmen. Denn diese laden wieder zum Baden ein und am frühen Morgen wird es sicher wieder kalt sein. Durch die Temperaturunterschiede von Luft und Wasser dampft es um uns herum nur so aus den Thermen hinaus. Nach Baden ist es uns heute trotzdem nicht, der kalte Wind bläst uns zu fest. Pirmin will aber heute wieder einmal hoch hinauf, darum geht er mit Rucksack und einer dicken Schicht Kleider hinauf auf den Unbekannten Berg bei den Thermen.

Mittags fahren wir zum Geysir Puchultisa. Dort angekommen hat es aber eine dicke Wolkendecke über uns. Wir bleiben trotzdem in der Nähe des Thermalfeldes. Über Nacht gibt es eine kleine weisse Schneeschicht um uns herum und der Himmel ist immer noch bedeckt. So gibt es hier halt ein paar sehr weiss und grau dominierende Bilder. Von dem Geysir Puchultisa fahren wir bis kurz vor die Grenze von Bolivien zum nächsten Thermalbad Aguas Calientes, wo wir uns am nächsten Morgen wieder einmal ein Bad genehmigen.

Vor der Grenze gibt es noch kurz einen Zwischenstopp bei einer weiteren Kirche dieses Mal in Isluga. Dann heisst es rüber nach Bolivien die Grenzabwicklung verläuft für uns ohne Problem einzig ein bisschen Tricky ist, an all die richtigen Papiere zu kommen. Wieder in Bolivien geht es zuerst kurz an den Salzsee Salar de Coipasa, wo wir aber nur kurz verweilen, da dunkle Wolken möglichen Regen vorhersagen. Da wollen wir uns zum Schutze unseres Fahrzeuges nicht in der Nähe der Salzigen Fläche aufhalten. Über eine grosse Ebene Fläche fahren wir Querfeldein Richtung Norden und dem Nationalpark Sajama. Kurz vor unserem Nachtlager müssen wir noch ein, zwei Bäche queren. Der erste grössere geht ohne Probleme. Beim letzten kommt zum Wasser aber noch eine richtige Portion Schlamm dazu. Die alte Überfahrtsstelle ist ein riesiges, tiefes unsichtbares Schlammloch mit zwei Furchen. Da in diesem tiefen Schlammloch wollen wir nicht stecken bleiben mit unserem doch recht schweren Fahrzeug. So beschliessen wir etwas daneben die Überfahrt zu versuchen dort ist es zwar auch schlammig aber nicht so tief und etwas schmaler. Mit etwas Schwung fahren wir in den Bach hinein und schon geht es beim Absatz tiefer hinein als gedacht, so dass unser Trittbrett hinten bei der Hecktür an der Böschung ankommt. Mit durchdrehenden Rädern erreichen wir die andere Seite aber nur gerade so dass man von der Fahrerseite trocken aussteigen kann. Nun heisst es Sandblech oder Seilwinde. Da uns die Sandbleche zu Schade sind und verbogen nur schlecht wieder am Fahrzeug zu befestigen sind, nehmen wir die Seilwinde. Diese hat schon mehrmals guten Dienst geleistet (Bericht 4 – Andenanfänger). Dieses Mal muss sie uns helfen. Zum Glück hat es in der Nähe einen genügend grossen Strauch an dem wir unsere Seilwinde mittels Abschleppseil befestigen können. Zusammen mit dem Allrad haben wir jetzt genügend Kraft um uns aus der misslichen Lage zu befreien. Schlamm ist definitiv nicht unsere Lieblings Unterlage, ein schweres Fahrzeug und Reifen mit Schlammgefülltem Profil ergibt nicht gerade viel Vortrieb bzw. eine Schlitterpartie.

Nach einer erholsamen Nacht, wieder einmal unter 4000m.ü.M. Geht es weiter auf dem schönen Feldweg bis zum Nationalpark Sajama. Diesen erreichen wir bei bedecktem Himmel. Von einem offenen Informationsbüro ist auch nichts zu finden, so können wir uns wenigsten das Eintrittsgeld sparen. Wir fahren als erstes zu einem Thermalfeld, dort brodelt es auch an einigen Stellen und bei einer ganz heissen Stelle will man nicht die Hand ins Wasser stecken, so viele heisse Gase kommen hier vom Erdboden hinauf. Weiter hinten im Tal findet Pirmin dann noch ein Lama, welches beim Sprung über den Bach mit den Vorderpfoten am Ufer eingesackt ist und nun dort wohl seit Tagen feststeckt. Er befreit es kurzerhand, das Tier ist aber so geschwächt, dass es nicht mehr stehen kann. Wir bringen im etwas Gras und besprechen was wir hier Abseits mit ihm machen sollen. Wir beschliessen es mit einer Improvisierten Trage zu einem Windgeschützen Platz zu tragen und dort mit dem Tier die Nacht zu verbringen. In der Hoffnung dass das Gras welches wir im bringen und er auch schön frisst genügend stärkt. Damit es die Nacht Heil übersteht und hoffentlich am nächsten Tag auch wieder auf den eigenen Beinen stehen kann. Am Morgen müssen wir aber Traurig zur Kenntnis nehmen dass es doch schon zu geschwächt war und die Nacht nicht überstanden hat. Wir überlassen das Tier der Wildnis und Fahren weiter zu den nahe gelegenen Thermalbädern. Diese schönen Naturbecken sehen alle nicht schlecht aus, beim grössten wird aber eine Gebühr von 30 Bolivianos verlangt und die Bäder sind alle recht weit vom Fahrzeug entfernt. So dass wir wieder einmal alle unsere Sachen zu diesen schleppen müssten. So beschliessen wir nach einem reichlichen Morgenessen das wir bis zur Lagune Huanakuta bzw. dem höchstgelegen Wald der Welt weiterfahren. Auf dem Weg dahin sieht Pirmin schon wieder ein Lama alleine in der Pampa liegen. Ein kurzer Sprint zum Tier gibt die Gewissheit auch dieses lebt noch, aber es atmet nur noch ganz schwach. Hier müssen wir einsehen dass wir nichts machen können. Ihm den Gnadenschuss geben wollen wir auch nicht, da wir nicht noch mit einer Schadensersatzforderung des Besitzer oder sonst eines Bolivianers konfrontiert werden wollen. So sehen wir heute zum zweiten Mal wie hart die Natur sein kann.

Auf dem Weg zum Wald passieren wir schon einmal die oben erwähnte Lagune. Und sehen dass der Zufahrtsweg zur Lagune gesperrt ist und wir vermutlich am Strassenrand übernachten müssen. Etwas weiter nach einem kleinen Dorf und schliesslich auf dem Feldweg zum Wald, stehen wir hinter zwei Bussen die den Weg versperren. Von unten kommt dann noch ein Motorrad mit Pickel. Wir unterhalten uns mit dem Fahrer des Motorrades und erfahren, dass die zwei Busse mit Touristen wegen dem Wald hier sind. Von unten sehen wir einige Touristen in den Sträuchern herum laufen. Mit den Touristen und dem Weg zu Fuss sowie unserem Fahrzeug im Weg für die Busse nach unten, sagen wir dem Herrn auf Wiedersehen und lassen ihn einen Kehrplatz für die Busse pickeln! Zurück bei der Lagune gibt es zuerst einmal eine kleine Pause an der Sonne, bevor wir die Lagune und die vielen Flamingos umrunden. Diese Flamingos sind wieder viel scheuer als die letzten bei der Lagune Colorado im Süden von Bolivien. Sind sich wohl weniger an die Menschen gewöhnt. Am Abend gibt es dann noch ein kleines Lagerfeuer wo wir uns ein „Steckenbrot“ machen. Thema am Feuer sind wieder einmal die Preise für Brot in der Schweiz (Schäfer lässt grüssen) und dass man doch dieses „Steckenbrot“ auch in einer Cafeteria mit einem kleinen Ofen anbieten könnte. Wäre vielleicht noch ein Kassenschlager.

In einer Tagesetappe geht es vom Nationalpark nach La Paz. Hier haben wir für am Montag bei Ernesto Hug, einem Schweiz/Bolivianer einen Garagen Termin abgemacht. Um unser Fahrzeug einmal richtig zu kontrollieren und alles in Ordnung zu bringen, was die letzten ca. 34‘000 Kilometer in Südamerika alles so angerichtet haben. Hier in La Paz schaffen wir es zum ersten Mal, dass ein Treffen mit Ingrid und Reinhard zustande kommt (Bericht 1 – Schiffsreise). Vorher fuhren wir uns immer knapp aneinander vorbei, wobei noch zu sagen ist, dass wir zwei völlig verschiedene Reiserouten gewählt haben um Südamerika zu entdecken. So Treffen wir uns auf der Plaza San Francisco von dort geht es zur besten Pizzeria von La Paz und wir Unterhalten uns über unsere gemachten Erlebnisse und Erfahrungen, seit wir uns das letzte Mal in Montevideo gesehen haben. Nach einigen Stunden gemütlichem beisammen sein, verabschieden wir uns von ihnen für sicher längere Zeit. Da beide momentan in die Gegengesetzte Seite fahren. Wohl frühestens in Europa gäbe es wieder ein Zusammentreffen. Die nächsten Tage verbringen wir viel in der Garage oder in der näheren Umgebung. Erledigen einige Administrative arbeiten soweit dies ohne Internet geht. Am Fahrzeug hat es keine grösseren Schäden zu verzeichnen, wir wären auch überrascht gewesen. Für Ernesto scheint dies eine neue Erfahrung zu sein, da er nur schlecht über Land Rover redet. Aber Ausnahmen bestätigen ja die Regel. Nach dem grossen Service mit Öl und Flüssigkeiten wechsel geht es noch kurz zurück zum Camping vom Hotel Oberland um uns fürs Tiefland vorzubereiten und diesen Bericht Online zu stellen. Hier treffen wir doch tatsächlich noch einmal auf Ingrid und Reinhard, welche sich aber nach einem Foto mit uns und den Fahrzeugen nun definitiv von uns verabschieden. Viel Glück wünschen wir den beiden, auf dass sie noch viele schöne Momente auf ihrer Reise erleben. Über uns gibt es im nächsten Bericht mehr.

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